Die Geschichte mit dem Staatstrojaner entwickelt sich so langsam. Zunächst offenbarte sich eine Quelle des CCC und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Behörden Bayerns, sowie den Zoll und/oder das Zollkriminalamt. Mittlerweile gibt es Bestätigungen des Trojanereinsatzes von Bayern, Brandenburg, Baden-Württemberg und etwas verschroben auch Hessen. Das Bundesinnenministerium dementierte den Einsatz des Trojaners im eigenen Zuständigkeitsbereich und setzt das BKA auf die Landesbehörden an. Hersteller der Behördenwanze scheint die Firma DigiTask zu sein. Zur Korruptionsbekämpfung, müssen Aufträge der Öffentlichen Hand ab einer gewissen Summe im Amtsblatt der EU veröffentlicht werden. Die Firma DigiTask taucht da des öfteren auf. Aber der FoeBud hat noch weitere interessante Details zur Firma. DigiTask, bzw. das mit ihnen verbundene Unternehmen Reuter Electronic hat eine Führung, die bereits wegen Bestechung und Vorteilsgewährung zu 21 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurd. Auch den BigBrother Award, einen Negativpreis für Datenkraken, erhielt DigiTask im Jahr 2009. Die Wirtschafts Woche und Spiegel Online schreiben auch über DigiTask. [update] DigiTask ist im Übrigen eine 100%ige Tocher der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte, in deren Unternehmensbeirat sitzt u.a. Dr. h.c. Otto Schily. Schily ist der ehemalige Bundesinnenminister, unter dessen Regentschaft der ganze Überwachungs- und Terrorquatsch seinen Anfang nahm. Das hat ein Geschmäckle und ist ein Fall für die von der Piratenpartei immer wieder geforderten Transparenzregelungen. Eine solche Verquickung von Wirtschaft und Politik darf es einfach nicht geben. Selbst wenn da alles sauber gelaufen ist, es untergräbt die Glaubwürdigkeit der deutschen Politik, wenn jedes Unternehmen das Staatsaufträge erhält gleich der Altersruhesitz von ehemaligen Führungspolitikern wird.[/update]
Die Einsatzgebiete des Staatstrojaners werden auch langsam öffentlich. Dabei geht es, wie bei so vielen Anwendungen vermeintlicher “Terrorgesetze”, scheinbar auch beim Staatstrojaner nicht um Terror oder Kapitalverbrechen. Bisher sind Fälle bekannt geworden wo der Trojaner eingesetzt wurde um Fälle von Diebstahl und Hehlerei sowie Schmuggel von Medikamenten zu ermitteln.
Der Antivirensoftware-Hersteller F-Secure hat eine eigene Infoseite zum deutschen Staatstrojaner eingerichtet in der auch eine Verbindung zum Zollkriminalamt aufgezeigt wird, damit ist dann doch wieder der Bund im Spiel. Wie auch in anderen Fällen in denen die Landesbehörden darauf verweisen, in Amtshilfe für den Bund geschnüffelt zu haben.
Die Piratenpartei, in Person von Christoph Lauer, äußerten sich entsetzt über den Trojanervorfall und vor allem auch den Umgang der Verantwortlichen mit diesem Verfassungsbruch.
Die CCC Mitglieder Constanze Kurz, Frank Rieger und Felix von Leitner haben sich in einer Ausgabe vom Alternativlos-Podcast (Alternativlos 19) über die Geschichte der Trojanerdiskussion und staatlichen Computerschnüffelei unterhalten, sehr hörenswert.
Und hier noch ein kleines Video mit einer anschaulichen Erklärung was der CCC gefunden und analysiert hat:


