Liveschaltung aus der Kommentarspalte, RT deutsch

Um den unterdrückten Meinungen in Deutschland eine Stimme zu verleihen startete der russische Sender RT nun auch ein deutschsprachiges Programm. Die Sendung “Der fehlende Part” greift vermeintlich von den Medien verschwiegene oder zensierte Positionen auf und möchte seinen Beitrag zur Meinungspluralität in Deutschland leisten. In der Selbstbeschreibung des Kanals auf YouTube klingt das dann so:

RT Deutsch nimmt die Herausforderung an, die etablierte deutsche Medienlandschaft aufzurütteln und mit einer alternativen Berichterstattung etablierte Meinungen zu hinterfragen. Wir zeigen und schreiben das, was sonst verschwiegen oder weggeschnitten wird. RT – Der fehlende Part.

Der russische Staatspräsident Putin sagte über RT:

Bei der Gründung Ihres Senders, war unsere Überlegung, dass es auf der Weltinformationsbühne einen weiteren Akteur geben muss. Einen der objektiv über Russland berichtet und versucht, das betone ich, versucht das Monopol der angelsächsischen Medien zu brechen. (Übersetzung via ZAPP, 12.11.2014)

Bei den gescholtenen Medien kam das Vorhaben nur bedingt gut an, wie die Berichte von ZEIT, FAZ, KrautreporterVICE und Deutschlandradio zeigen. Lesenswert auch die Erfahrungen des Journalisten Olaf Sundermeyer über seinen Auftritt bei RT deutsch.

In der 5. Ausgabe, mit dem Titel “DER FEHLENDE PART: Euro – retten, was nicht zu retten ist?”, kommt der niederländische Autor Marcel Bas (Zwarte Piet: discriminerend of fascinerend?) zu Wort und darf den fehlenden Part zur Rassismusdebatte liefern. Auf die Frage, ob wir in Europa zu sensibel geworden sind, antwortet er:

Ja, zu sensibel geworden ist man. Aber ich glaube auch, das man… äh.. also die Mehrheit.. die ähm.. einheimische Mehrheit Europas ist sehr sehr Bange geworden. Hat sehr viel Angst dafür, überhaupt für Rassist… oder als rassitisch gekennzeichnet zu werden. Ich denke das da das Hauptproblem ist.
Und ähm… Ja ich glaube doch immer Kentnisse und die Geschichte, die zeigt uns etwas anderes als Rassismus und Sklaverei und so. Wir müssen mit den Fakten in der Hand aber auch mit ein bisschen mehr Assoziativität [?] beweisen, wie es eigentlich ist und das wir uns nicht schämen äh… sollen, oder brauchen.

Diese messerscharfe Argumentation kommentiert die Moderatorin mit dem den Worten:

Sind wir zu sensibel geworden?
Ich kann diese Frage leider nicht beantworten aber ihr könnt darüber natürlich eine rege Diskussion in unseren Kommentaren führen.

Der “fehlende Part”, die Geschichte Europas muss umgeschrieben werden. Sklaverei und Rassismus? Wo hats denn sowas gegeben? Mit den Fakten in der Hand aus der Kommentarspalte ins Aufklärungsprogramm von RT deutsch.

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Anstand und Internet – Neuland für Oettinger

Die Europäische Union gewinnt mit Günther Oettinger einen neuen Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft.

Nun lieferte der Herr Kommissar gleich in seiner ersten Befragung einen Beleg dafür, warum es kaum eine schlechtere Besetzung hätte geben können.

Oettinger wörtlich:
“Wenn jemand so blöd ist und als Promi ein Nacktfoto von sich selbst macht und ins Netz stellt hat ers (sic!) nicht von uns zu erwarten das wir ihn schützen. Also vor Dummheit kann man die Menschen auch nicht, oder nur eingeschränkt bewahren.”

Oettinger bezieht sich hier auf die Übergriffe auf prominente Frauen. Private iCloud Speicher von prominenten Frauen wurden gehackt und deren private, nicht öffentlich “ins Netz gestellten” Fotos wurden über diverse für sexistische Verhaltensweisen bekannte Plattformen verbreitet.

Es ist bezeichnend, dass Oettinger in seiner Aussage nur in der männlichen Form von Opfern spricht, obwohl es sich doch im vorliegenden Fall um einen Übergriff auf weibliche Prominente handelte. (“ein Promi“, “ers“, “das wir ihn schützen“)

Zunächst verdreht Oettinger die Täter-Opfer-Rolle, indem er den durch sexuelle Übergriffe bloßgestellten Frauen die Verantwortung selbst in die Schuhe schiebt. Nicht etwa den Kriminellen, die ihre Opfer in aller Welt entblößten, nicht etwa Apple für die unzureichende Sicherung ihrer überteuerten Lifestyle-Produkte, nicht etwa den Strafverfolgungsbehörden die diesen Frauen nicht halfen oder all jenen, die genüßlich am Streisand-Effekt mitwirkten und diese Übergriffe damit noch befeuerten. Nein, für Oettinger sind die Frauen schuld.

Dies alleine disqualifiziert für mich die Person Oettinger bereits vollends.

Aber es kommt bei Herrn Oettinger leider noch schlimmer, denn mit dieser opfer- und frauenverachtenden Aussage offenbart er obendrein auch noch seine fachliche Inkompetenz.

Um welche Art von Daten ging es hier? Es ging um private, nichtöffentlich in einem Cloudspeicher abgelegte Daten. Also in etwa so etwas wie eine Email, gar eine DE-Mail. Oder eine Unternehmensdatenbank oder auch eine behördliche Datenbank. Jedenfalls also um Daten, die durch gesonderte Maßnahmen einem Zugriff Dritter nicht offenstehen (sollten), deren Verbreitung “im Netz” also nicht nur nicht intendiert war, sondern die darüber hinaus gesondert davor geschützt gewesen sind.

Folgt man also der Logik unseres Digital Kommissars, so sind alle staatlichen, wirtschaftlichen oder privaten Daten die “ins Netz gestellt” wurden vogelfrei. Also alle Daten von Rechnern, Routern und Cloudspeichern. Sei es die private Netzwerkfestplatte oder große Unternehmens- oder Behördendatenbank, eben alle Daten der ans Netz angeschlossenen Endgeräte. Sie sind demnach frei für jeden zugänglich und wer ein solches Gerät nutzt ist letztlich selber schuld wenn etwas verloren geht oder es zu Missbrauch kommt. Krankenversicherungshistorie abhanden gekommen? Pech gehabt! Meldedaten der Behörde futsch? Steuer- oder Bankdaten kopiert? Betriebsgeheminsse ausspioniert? Selber schuld! Vorratsdaten verloren gegangen? Warum stellt ihr auch alles ins Netz?

Na danke!

Es ist leider, insbesondere bei Behörden die noch heute teils Windows XP Rechner einsetzen oder Kommunikation mit gebrochener Verschlüsselung (DE-Mail) wirklich kein Wunder, wenn Daten an unbefugte Dritte gelangen. Doch sollte eben da nicht der Staat anfangen das Problem zu verstehen um es in den Griff zu bekommen?
Herr Oettinger jedenfalls scheint nicht den gringsten Hauch einer Vorstellung zu haben wovon er spricht. Darüber hinaus verhöhnt er die Opfer von sexuellen Übergriffen indem er Ihnen, nicht den Tätern, die Schuld für den Missbrauch unterjubelt.

Leider scheint neben dem Internet auch Anstand für Unionspolitiker Neuland zu sein.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Lobby-Kommissar nicht all zu viel Schaden anrichtet in seinem Amt, positive Impulse sind jedenfalls bei dieser offenkundigen Fehlbesetzung nicht zu erwarten.


Zum neuen Digital Kommissar möchte ich Euch noch folgende Links ans Herz legen:

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Ein Brief von Stephen Fry

Hin und wieder suche ich im Netz einen wunderschönen Brief den Steven Fry einer unter Depressionen leidenden jungen Frau schrieb. Wie ich finde ein sehr schöner Vergleich und an so manchen Tagen auch eine große Hilfe…

I’ve found that it’s of some help to think of one’s moods and feelings about the world as being similar to weather:
Here are some obvious things about the weather:

It’s real.
You can’t change it by wishing it away.
If it’s dark and rainy it really is dark and rainy and you can’t alter it.
It might be dark and rainy for two weeks in a row.

BUT

It will be sunny one day.

It isn’t under one’s control as to when the sun comes out, but come out it will.
One day.
It really is the same with one’s moods, I think. The wrong approach is to believe that they are illusions. They are real. Depression, anxiety, listlessness – these are as real as the weather – AND EQUALLY NOT UNDER ONE’S CONTROL. Not one’s fault.

BUT

They will pass: they really will.

In the same way that one has to accept the weather, so one has to accept how one feels about life sometimes. “Today’s a crap day,” is a perfectly realistic approach. It’s all about finding a kind of mental umbrella. “Hey-ho, it’s raining inside: it isn’t my fault and there’s nothing I can do about it, but sit it out. But the sun may well come out tomorrow and when it does, I shall take full advantage.”

via xchingx auf deviantART und lettersofnote.com

Bei der Gelegenheit möchte ich noch seine BBC Dokumentation “The Secret Life Of A Manic Depressive” empfehlen (Part 1; Part 2) sowie einen ganz besonderen Song an Stephen Fry von Molly Lewis. :)

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