Leseempfehlungen (006)

  • Postprivacy-Wunderland” von @sanczny
    tl;dr Rant darüber, wie die datenschutzkritische Spackeria privilegierte Dudes sind, und warum das zwar so sein muss, die Umsetzung aber dennoch massiv failt.
  • Piratengedanken: In verschiedenen Welten” von Frank Cebulla
    Frank fasst seine Erfahrungen aus einer Podiumsdiskussion zum Thema Drogenpolitik u.a. mit Vertretern der Jungen Union zusammen. Er arbeitet dabei wunderbar heraus wie absurd und in sich unschlüssig dieses konservative Welt- und Menschenbild doch sein kann. Mit welcher Vorliebe (nicht nur) Konservative an unschlüssigen, unsachlichen dogmatischen Vorstellungen verhaftet bleiben und dazu neigen können jegliche Realitäten auszublenden ist mir in zahlreichen ähnlichen Diskussionen schon oft aufgestoßen.
  •  “Johannes Ponader, Abhängigkeiten und Machterhalt” von @Mitgezwitschert
    Christoph macht sich Gedanken über Abhängigkeiten am Beispiel der “Causa” Johannes Ponader und kommt, wie ich nur unterstützen kann, zu dem Schluss der Notwendigkeit einer Art bedingungslosem Grundeinkommen und lädt die Leser zur Diskussion darüber ein, was wir bis zum Erreichen dieses Zieles tun sollten.
  •  Honorarstreit der Ärzte – Kehrt vor Eurer eigenen Tür! (nachdenkseiten.de)
    Ein guter Artikel über die “Verteilungsprobleme” der Gelder innerhalb der Ärzteschaft. Das Problem muss dringend gelöst werden, auch und vor allem damit nicht weiter irgendwelcher Esoterik-Voodoo als “Zusatzleistung” von den Ärzten verschachert werden muss. Es ist aber Aufgabe der Ärzteschaft zunächst die eigenen Parasiten in die Schranken zu weisen. Wenn dann noch zu wenig Geld da ist kann man mal vernünftig darüber reden ob es nicht eine Erhöhung der Honorare geben könnte.
    Ich empfehle dazu auch dringend den Kommentar von Volker Pispers!
  • Machen Bio Produkte egoistisch? (SPEKTRUM & Uni Mannheim)
    Aktuell veröffentlichen die dpa-Abschreiberedaktionen ja haufenweise Artikel über eine “Bio ist gar nicht (so viel) gesünder als konventionelle Lebensmittel”-Studie. Achso? Bioschokolade statt konventionellem Gemüse ist also doch nicht gesünder? Welch erschreckende Erkenntnis. Die Ergebnisse der Studie bieten doch nun wirklich keine Neuheiten, oder? Was mir in dem Zusammenhang aber auffällt ist ein egoistische Element. Denn kann es tatsächlich sein, dass es Biokunden gibt die sich ausschließlich aufgrund der vermeintlich gesünderen Produkte dafür entscheiden Bio zu kaufen? Und dabei fiel mir eine ältere Studie ein, die das Sozialverhalten von Menschen untersuchte die mit Bio- bzw. konventionellen Produkten konfrontiert wurden. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass es so etwas wie ein “Moralkonto” gibt. Konfrontiert mit Bioprodukten wird ein Plus auf diesem Konto gebucht und als Ausgleich kann man sich dann in anderen Bereichen auch gerne asozial verhalten. Ich fände ja spannend wenn es dazu weitergehende Untersuchungen geben würde. Diese Effekte sehe ich, zum Beispiel bei größeren Biomärkten in Potsdam, auch bestätigt. Einfach mal einen Blick auf die Parkplätze werfen. Denn wer Bio kauft und mit einem Porsche Cayenne oder einer ähnlich ineffizent asozialen Benzinschleuder vorfährt, beweist doch wunderbar wie scheißegal ihr/ihm Planet, Klima und Rohstoffknappheit sind. Aber zum Glück bieten die Bioprodukte ja einen passendes Ablasshandelsystem an. Ich habe den Eindruck gewonnen die Bio-Schiene ist auch zunehmend Teil eines Klassismus in diesem Land, den man auch als Klassenkampf von oben bezeichnen kann.

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Lesenswertes zu Gauck

Der Shitstorm der über Gauck im Netz ausbrach ist in meinen Augen berechtigt. Gauck ist ein Relativist. Er wird vermutlich der konservativste Bundespräsident den man sich vorstellen könnte. Gleichzeitig habe ich große Probleme damit einen Pastor zum Präsidenten zu haben. Ich hege die Befürchtung, jemand der beruflich zwangsläufig mit der Missionierung beschäftigt ist, wird in seinem Amt Integration mit Assimilation verwechseln. Seine Haltungen zu Hartz IV, Vorratsdatenspeicherung und dem Rassismus von Sarrazin sind, wenn auch von ihm intellektuell großartig relativiert, mehr als problematisch und für mich ein Grund in ihm keine moralische Autorität zu sehen.

Folgende Artikel setzen sich sehr differenziert mit Herrn Gauck und dem ganzen Nominierungstheater auseinander:

  • “Der ‘böse Gauck’ und das Netz” - Anatol Stefanowitsch analysiert die Aussagen Gaucks zu Sarrazin, Hartz IV und Vorratsdatenspeicherung einmal im Kontext seiner Äußerungen.
  • “Voll im Kontext: Gauck und die Überfremdung” – Auf publikative.org wird die Haltung Gaucks und seine Verwechslung von Assimilation und Integration am Beispiel eines NZZ Interviews einmal genauer untersucht. Ein Präsident mit solchen Aussagen zur Überfremdung finde ich sehr befremdlich.
  • “Demokratie geht anders” – Enno Park setzt sich kritisch mit der Person Gauck, den Vorwürfen “des Netzes” und der Relativierung der selbigen auseinander und kritisiert zu Recht das Verfahren mit dem die etablierten Parteien die “Wahl” des Bundespräsidenten zur Farce gemacht haben.
  • Eine schier endlose Sammlung an Links und Zitaten zu Gauck findet sich weiterhin in einem Etherpad, das ist die Macht des Netzes. Jeder ist eingeladen weitere Links hinzuzufügen. Wer eine kontextlose Beschimpfung Gaucks durch das Netz vermutet, sollte erstmal die entsprechenden Quellen abarbeiten und dann entscheiden ob das alles wirklich nur inhaltsleeres Getrolle ist. Natürlich ist auch sehr, sehr viel Polemik im Spiel. Aber das ist ein legitimes Mittel der Meinungsäußerung. Zudem sei gesagt, dass das Zitieren längerer Textpassagen (Kontext wird ja gerne gefordert) nach dem derzeitigen deutschen Urheberrecht nicht möglich ist, man darf sich dann sofort mit den Anwälten der Verlage und einer Abmahnflut auseinander setzen. Also auch hier wieder ein Beispiel wie wichtig ein zeitgemäßes Urheberrecht wäre, das bestehende Urheberrecht ist auf digitale Zeiten einfach nicht mehr anwendbar. Da wären “fair-use” Regelungen, wie sie in Amerika üblich sind, beispielsweise schon mal ein Anfang.

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Maschmeyer wohin man sieht…

Das Dahinsiechen der FDP scheint den neoliberalen Geist aus diesem Land nicht verjagen zu können.

Ich finde es befremdlich, wenn der neue Bundespräsident Joachim Guack, zum dem es weit mehr Kritisches zu sagen gibt, offenbar auch “best buddy” mit Carsten Maschmeyer spielt.

Dieser Maschmeyer, dessen “Geschäftsgebaren” sich die ARD in einer Dokumentation vorgenommen hat, scheint ja unumgänglich zu sein für unsere sauberen politischen Kreise (G. Schröder, Gabriel, Wulff, Rürup, Köhler, von der Leyen, Rösler, Gauck). Ich könnte echt nur noch kotzen.

Diese bundesdeutsche Politik ist an Lächerlichkeit langsam schwerlich zu überbieten. Will die Rest-SPD eigentlich jetzt mit der CDU/CSU fusionieren? Die Regierungsarbeit ist mit armselig vermutlich noch sehr freundlich beschrieben und die ehemalige Sozialdemokratie liegt konstant hinter Mutti Merkels Bankrottverwaltern zurück, in allen Umfragen (auf Bundesebene). Merkel übernimmt nach und nach alle jene Positionen mit dem das “sozialdemokratische” Parteienwrack versucht sich von den Konservativen “abzugrenzen” (Mindestlohn, Bundeswehr, Atomkraft, Gauck…). Welche Wahl haben die Bürger denn, wenn das einheitsdeutsche Politbüro aus den beiden “Volksparteien” sich nur noch bei Günther Jauch zur Volksbelustigung gelegentlichen betrollt, aber in ihrer politischen Ausrichtung absolut nicht zu unterscheiden ist. Neoliberalismus all over again, da brauchts nicht mal mehr eine FDP. Und das in dieser Krise. Unter Demokratie verstehe ich etwas anderes, da sollte es die Wahlmöglichkeit geben. Aber hier regiert nur eines, Idiocracy!

Weiteres:

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