Google schaltet den Reader ab, von mir aus…

Googles Mitteilung den Dienst Google Reader vom Netz zu nehmen schlug in den letzten Tagen große Wellen. Dabei ist das eigentlich gar nichts groß verwunderliches. Immer wieder stellt Google irgendwelche Dienste nach eigenem Ermessen ein und regelmäßig gehen auch andere “2.0 Unternehmen” pleite, werden verkauft, geschluckt oder ändern ihre walled garden Politik.

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Der Google Reader war, wie so manche Google Produkte, ein ziemlich komfortables und gutes Tool. Jedenfalls habe ich ihn immer sehr gemocht. Es kursieren jetzt eine Menge Hinweise auf Alternativen, aber wer garantiert, dass diese Unternehmen ihren Service auch dauerhaft betreiben werden und mensch nicht nach wenigen Monaten wieder auf der Suche nach einer Alternative für die Alternative ist?

Für mich habe ich entschieden diverse Infrastruktur, die ich als wesentlich für mich betrachte, auf eigenen Servern zu hosten. Das mindert die Abhängigkeit von den Unternehmen und ist natürlich auch unter Gesichtspunkten der informationellen Selbstbestimmung und des Datenschutzes eine erstrebenswerte Sache.

Bei uberspace habe ich günstigen Serverspeicherplatz angemietet und betreibe dort fortan eine Tiny Tiny RSS Instanz für meine Feeds. Entsprechende Apps für die mobile Nutzung gibt es ebenfalls. Natürlich ist das, vor allem für einen Menschen ohne IT-Hintergrund, erstmal Arbeit. Aber mit Hilfe von HowTos und Anleitungen im Netz ist die Installation von Webanwendung heute auch für Laien wie mich möglich. Zudem lernt mensch auch eine ganze Menge über die Funktionsweise von Webanwendungen, Servern und dem ganzen Kram. Das halte ich, angesichts des immer weiter verbreiteten Einsatzes von Smartphones und Clouddiensten, für einen sehr positiven Nebeneffekt. Denn den meisten Smartphone-Benutzern ist gar nicht klar, was sie da überhaupt nutzen, welche Datensammlungen sie wem in die Hand geben und in welche Abhängigkeiten von einzelnen Anwendungen und Unternehmen sie sich begeben. Die Uninformiertheit in der Nutzung von IT-Hard- und Software ist vermutlich vergleichbar mit der Uninformiertheit bei Wahlentscheidungen im politischen Prozess. :D

Meine mobile Endgeräteentscheidung fiel nicht zuletzt deshalb auf die Android-Plattform, weil ich dort die Möglichkeit sah, auch bei einer von mir nicht präferierten Unternehmenspolitik von Seiten Googles, dennoch wesentliche Dienste und Anwendungen für mich selber betreiben zu können. Ich nutze für die Kontakt- und Kalendersynchronisation seit kurzem bspw. eine eigene OwnClod Instanz (Vielen Dank für die Einrichtungshilfe an @marcel_sch), als Betriebssystembasis die Android-Abwandlung von CyanogenMod und als Feed-Reader fortan die selbstgehostete Tiny Tiny RSS Instanz. Auch bin ich nicht an einen einzigen Marktplatz (Google Play) gebunden für den Einkauf von Applikationen oder Inhalten, sondern kann auf dem Gerät unterschiedliche Marktplätze nutzen. Diese Freiheiten bieten konkurrierende Systeme, jedenfalls für den relativ unbedarften Nutzer, bisher nicht. Dort müssen sich die Nutzer dann der Unternehmenspolitik, bspw. von Apple, aussetzen und deren willkürlichen Regeln für App-Sperrungen sowie anderen Auflagen (In-App-Payment, Porno-Verbot,  etc.) hilflos aussetzen. Mir ist dabei wichtig, dass meine Entscheidung für Android keine “pro Google”-Entscheidung war, sondern einfach eine Wahl des kleineren Übels. Bei Android habe ich (jedenfalls bei der aktuellen Gerätegeneration) noch die Freiheit ein eigenes System aufzuspielen und selbstbestimmter über die Nutzung zu entscheiden. Die Vorteile Apples, in Bereichen wie Benutzbarkeit, Design und Co. will ich damit nicht kleinreden, aber ich bewerte eben den Preis für diese Vorteile als zu hoch. Wenn ich alle Anwendungen und Inhalte nur aus iTunes konsumiere – und ich bin gerne bereit für gute Anwendungen und Inhalte zu bezahlen – dann hänge ich zwangsläufig irgendwann mit zu vielen (bezahlten) Inhalten in einer Abhängigkeit zu einem einzigen Unternehmen und ein Wechsel der Plattform wird ungleich erschwert, denn iTunes verschließt sich strikt gegen eine Nutzung außerhalb des eigenen goldenen Käfigs.

Soviel meiner Gedanken um die Einstellung eines weiteren Google Dienstes, der Abhängigkeiten der Nutzer und meiner laienhaften Versuche diesen Abhängigkeiten so gut wie mir eben möglich aus dem Wege zu gehen.

Mein besonderer Dank geht dabei an die zahllosen Netzbewohner und Entwickler, die mich in die Lage versetzen wenigstens ein wenig den Überblick über die von mir eingesetzte Technik zu behalten. <3

Update:

In dem Zusammenhang empfehle ich unbedingt den Vortrag “The coming war on general computation” von Cory Doctorow auf dem 28c3:

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